© 2011 Boys Don't Cook Bildschirmfoto 2011-07-16 um 14.17.27

Literarische Bouillabaisse


Lilianna erinnerte sich, diese hinreißende Rezept einer Bouillabaisse bei Emile Zola gelesen zu haben. Am beeindruckensten finde ich daran, dass die Fische zuvor im Meerwasser gereinigt werden. Hier ein Auszug:

Diese Bouillabaisse unter freiem Himmel war eine umständliche Geschichte. Zunächst stieg Micoulin wieder ins Boot, um die am Abend zuvor im Meer ausgelegten Körbe wieder einzusammeln. Unterdessen musste Nais Thymian, Lavendel und ein ganzes Bündel trockenen Gestrüpps herbeischaffen, um damit ein großes Feuer zu entfachen.

An diesem Tag musste der Alte die Bouillabaisse zubereiten, die klassische Fischsuppe, deren Rezept die Küstenfischer vom Vater auf den Sohn vererben. Es war eine schrecklich gepfefferte und mit zerdrückten Knoblauchzehen übermäßig gewürzte Suppe.

Micoulin schien guter Laune zu sein. Er reinigte die Fische zunächst im Meer, während Nais eine große Pfanne aus dem Boot holte. Alles war dann schnell zusammen gebraut.

Zuerst den Fisch in die Pfanne, mit Wasser bedeckt, dann Zwiebeln, Öl, Knoblauch, eine Handvoll Pfeffer, eine Tomate und noch ein weiteres halbes Glas Öl.

Dann die Pfanne aufs Feuer, das Gewaltig genug war, um einen Hammel darüber zu braten. Die Fischer behaupten, dass das Gelingen einer Bouillabaisse vom richtigen Kochen abhängt: die Pfanne muss dabei richtig in den Flammen verschwinden.

Unterdessen schnitt der Verwalter mit ernster Miene Brotscheiben in eine Schüssel. Nach einer halben Stunde goss er die Suppe über das Brot und servierte den Fisch gesondert.

„Fangen wir an!“ sagte er. „Sie schmeckt nur, wenn sie kochend heiß ist.“

Quelle: Emile Zola, „Für eine Liebesnacht“, Kleine Erzähler-Bibliothek Martus Verlag, München

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